M&A-Transaktionen & ESG – Match or No match?

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Drei Buchstaben sind seit einiger Zeit (nicht nur) bei Investoren in aller Munde: „ESG". ESG steht für Environmental, Social, Governance und bedeutet übersetzt „Umwelt, Soziales und Unternehmensführung". Nachhaltigkeit bezieht sich also nicht mehr ausschließlich auf Umweltschutz, sondern auch auf das soziale und betriebliche Klima.

Aber was genau heißt das für kleine und mittelständische Unternehmen und welchen Einfluss hat es auf Transaktionen?

ESG, was ist das und welche Ziele werden damit verfolgt?

Ziel ist es, mithilfe der ESG-Kriterien, objektiv nachvollziehbar Auskunft darüber geben zu können, in welchem Umfang Unternehmen auf sozialer und ökologischer Ebene sowie im Hinblick auf ihre Unternehmensführung nachhaltige Strategien verfolgen. Hierbei wird anhand von unterschiedlichen Kennzahlen die Entwicklung der einzelnen Kriterien im Zeitverlauf quantitativ betrachtet und in einem einheitlichen Scoring-System abgebildet. Die Schwerpunktsetzung kann dabei von den Unternehmen individuell vorgenommen werden. Der entsprechend errechnete ESG-Score wird dann dem jeweiligen Unternehmen zugeordnet und kann anschließend mit dem ESG-Score anderer Wettbewerber verglichen werden.

ESG, ist das überhaupt relevant für mich?

Hier gibt es eine einfache Antwort: „Ja!". Kleine und mittelständische Unternehmen sehen sich immer mehr mit den Aspekten von ESG konfrontiert. ESG ist längst keine Eintagsfliege mehr und auch nicht bloß ein temporäres Buzzword der Marketingabteilungen einiger DAX-Konzerne, um ihre Umweltstrategien besser zu verkaufen. ESG wird die nächsten Jahre immer weiter an Bedeutung gewinnen. Daher sollten sich bereits jetzt auch kleine und mittelständische Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und dies als Chance begreifen, ihr Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.

Wie eingangs erwähnt, ist es nicht das Ziel (und oftmals auch praktisch und/oder wirtschaftlich gar nicht umsetzbar) sämtliche ESG-Kriterien gleichberechtigt zu erfüllen. Um die Umsetzung handhabbar zu machen oder falls branchenbedingt ein Kriterium nicht abgedeckt werden kann, erscheint es sinnvoll, Schwerpunkte zu setzen, sich ein ESG-Kriterium herauszupicken und das bereits bestehende Geschäftsmodell daran auszurichten. Die ESG-Kriterien im Überblick:

  • Nachhaltiges Wirtschaften: Langfristige Stabilität und ein gesundes Wachstum vor einer kurzfristigen Gewinnmaximierung sollte die Maxime lauten. Eine nachhaltige Unternehmensstrategie und -planung spiegeln dabei die Nachhaltigkeitsagenda wider.
  • Umweltschutz: Ressourcenschonende Herstellung und Vertrieb von Produkten bzw. Minimierung des Energiebedarfs sowie Verzicht auf nicht notwendige Reisetätigkeiten lautet die Devise.
  • Unternehmensführung/Corporate Identity: Unternehmensstrategien entwickeln, die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zur Chefasche machen, Chancengleichheit leben sowie Weiterbildung unterstützen.

ESG & M&A Transaktionen – Match or no match?

ESG-Kriterien haben unmittelbar und mittelbar Einfluss auf den Wert eines Unternehmens. Unmittelbar beispielsweise dadurch, dass Kosten eingespart werden können, wenn Ressourcen schonend und effizient eingesetzt werden. Aber auch die mittelbaren Faktoren sind nicht zu unterschätzen. So haben Studien gezeigt, dass sich schon heute eine ESG-Konformität positiv auf die Reputation eines Unternehmens auswirkt – Tendenz für die Zukunft: steigend!

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass das Thema ESG immer mehr in den Fokus von Investoren rückt und eine immer größer werdende Rolle im Rahmen von Transaktionsprozessen spielt. Waren bisher die zentralen Fragen bei einem Unternehmenskauf u. a. der Kaufpreis, die Entwicklung der Kennzahlen des Unternehmens, Synergien, die nach einem Unternehmenskauf gehoben werden können, so ist nunmehr am Markt zu beobachten, dass immer häufiger ESG-Aspekte in den Fokus von Interessenten rücken. Ein Grund hierbei mag sein, dass der Zukauf eines Unternehmens, welches beispielsweise bereits eine bessere Nachhaltigkeits-Performance aufweist, dabei hilft, die eigene ESG-Bilanz zu verbessern. Hierbei kann sich bereits der Erwerb einer Minderheitsbeteiligung positiv auf die eigene ESG-Konformität auswirken.

Ferner bietet sich mit einer mehrheitlichen Übernahme die Möglichkeit, das eigene Geschäftsmodell und die dazugehörige Wertschöpfungskette grundlegend zur Nachhaltigkeit zu transformieren. Die Prüfung erfolgt hierbei insbesondere im Rahmen einer ESG Due Diligence, die interdisziplinäre Fachexpertise aus den Bereichen Transaktions-, IT-, Rechts- und Energieberatung sowie der Wirtschaftsprüfung und Compliance erfordert.

Dieser Teil erfordert vom zu verkaufenden Unternehmen eine gute Vorbereitung und ein hinreichendes Verständnis für diese Thematik. Der Interessent prüft daten- und faktengestützt. Vom Unternehmen müssen daher hinreichend aussagekräftige Daten und Dokumente zur Verfügung gestellt werden können, die den Status quo der Umsetzung der für das Unternehmen relevanten ESG-Aspekte darlegen.

Auch spielt das Thema ESG immer häufiger eine Rolle bei der Akquisitionsfinanzierung, z. B. bei vollständiger oder teilweiser Fremdfinanzierung. Hier ist man immer häufiger von der subjektiven Einschätzung und dem ESG-Rating des Finanzdienstleisters abhängig. Grundsätzlich gilt hierbei: Je schlechter das ESG-Rating des zu erwerbenden Unternehmens ausfällt, desto teurer die Finanzierung; im schlimmsten Fall platzt die Finanzierung.

Unternehmen, die bei diesem Thema noch keine oder nur eine unzulängliche Strategie haben, sind bei bestimmten Käufergruppen im Nachteil und müssen nicht selten mit Abschlägen beim Kaufpreis rechnen.

Was bleibt festzuhalten?

Die Erarbeitung und Etablierung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie ist sinnvoll und schützt das Unternehmen in Zukunft vor negativen finanziellen Auswirkungen. Ohne ein ESG-konformes Geschäftsmodell wird in Zukunft erfolgreiches Wirtschaften und auch ein erfolgreicher Unternehmensverkauf immer schwerer umsetzbar sein.